Jede Leinwand führt ein Stück durch Rüdesheim: zur Geschichte der Rheinstraße 16, über eine verschwundene Brücke und bis in Katharinas Familienalbum. Kurz schauen, mehr sehen.
Die historische Straßenansicht zeigt das Vorderhaus. Die Ferienwohnung wird heute über den Hof und das Hinterhaus erreicht. Für beide Gebäudeteile ist die Quellenlage unterschiedlich – deshalb trennen wir gesicherte Angaben von der historischen Einordnung.
Hotel Ehrhard · spätestens 1909 als Hotel und Weinhandlung belegt
Vorderhaus · Hotel Ehrhard
Rüdesheim im Rückspiegel.
Spätestens 1909 hatte Gastlichkeit an dieser Adresse einen Namen: Das Rheingauer Adressbuch führt Jean Ehrhard als Weinhändler und die Witwe des Josef Ehrhard als Hotelbesitzerin und Weinhändlerin – beide an der Rheinstraße 16. Hotel und Weinhandel lagen damit unter einem Dach. Hohe Geschosse, dekorative Fensterverdachungen, Backstein und Vorgarten gaben dem Haus den passenden repräsentativen Auftritt an Rüdesheims Rheinfront.
Baujahr, ehrlich eingeordnetDas Hotel und der Weinhandel sind spätestens 1909 sicher belegt. Ein exaktes Baujahr des Vorderhauses – und ob es von Anfang an als Hotel errichtet oder später dazu umgenutzt wurde – lässt sich ohne Bauakte, Brandkataster oder Grundbuchquelle nicht seriös beantworten.
um 1830
Die Rheinfront rückt ins Blickfeld.
Mit dem Ausbau der Rheinstraße siedelten sich Gasthäuser verstärkt am Rhein an. Reisende, Aussicht und Schiffsverkehr machten die Lage wirtschaftlich interessant.
1856/57 · 1883
Bahn, Brand und größere Häuser.
Der Eisenbahnbau formte die Uferzone neu. Nach einem Großbrand 1883 entstanden an der westlichen Rheinfront viele höhere Hotelbauten. Das erklärt die Epoche – nicht automatisch das exakte Baujahr von Nummer 16.
spätestens 1909
Hotel Ehrhard und Weinhandlung.
Das Adressbuch belegt an Nummer 16 Hotelbetrieb und Weinhandel der Familie Ehrhard. Zwei Motoren des frühen Rüdesheim-Tourismus lagen hier buchstäblich unter einem Dach.
1992
Das Hinterhaus entsteht neu.
Laut Stadtakte wurde das Hintergebäude 1992 im Wesentlichen neu errichtet – als öffentlich geförderter Wohnungsbau. Das ist die einzige Baujahresangabe in der öffentlich zugänglichen Magistratsvorlage.
Jeder Stopp verbindet das Bild in der Wohnung mit seiner Geschichte draußen am Rhein.
01
01 · Motiv in Vianaria 16
Obergeschoss · Verkehrsgeschichte 1913–1948
Die Hindenburgbrücke.
Sie war keine romantische Ausflugsbrücke, sondern zunächst ein strategischer Eisenbahnbau: Die zweigleisige Verbindung verknüpfte die rechte Rheinstrecke mit Nahe- und Glanbahn und schuf eine zusätzliche militärische Route Richtung französische Grenze. Nach dem Ersten Weltkrieg durften zeitweise auch Fuhrwerke und Autos hinüber. Im März 1945 wurde die Brücke beim Rückzug von deutschen Truppen gesprengt und danach nicht wieder aufgebaut.
Juni 1913: Baubeginn auf Höhe der Rüdesheimer Aue.
16. August 1915: Eröffnung als zweigleisige Eisenbahnbrücke mit Gehwegen.
Seit 1918: Hindenburgbrücke genannt; 1920 bis 1930 auch für zivilen Straßenverkehr geöffnet.
15. März 1945: Sprengung der Stromüberbauten durch die Wehrmacht beim Rückzug.
1948: Bergung und Zerlegung der im Rhein liegenden Stahlteile; die steinernen Reste blieben.
Das private Familienfoto zeigt Katharinas Großeltern Hella – Helene Ottilie Barth, geborene Beiderlinden – und Hans, Johann Baptist Barth. Sie stehen vor den Resten der Hindenburgbrücke, während die Anlage in der Nachkriegszeit geräumt und demontiert wurde. Die Aufnahme ist in der Familie auf etwa 1950 datiert.
03
03 · Motiv in Vianaria 16
Obergeschoss · Rheinromantik
Zwei Wächter am Rhein.
Der Binger Mäuseturm steht im Strom, Burg Ehrenfels sitzt im Rüdesheimer Weinberg. Um 1300 arbeiteten beide als kurmainzisches Zoll- und Kontrollteam am engen Binger Loch – Mittelalter mit bester Aussicht.
Kein Rheindampfer, sondern das Rüdesheimer Weinschiff: Für das Weinfest 1933 baute die Marine-Kameradschaft einen 15 Meter langen, rund 130 Zentner schweren Schiffskörper auf einen Lastwagen. Ein Festwagen mit maximalem Auftritt.